Quelle : Bla Bla !, Ausgabe Dezember/Januar 2002 / 2003
Übersicht

 

Wie der Biergarten entstand

Die bayerische Brauordnung aus dem Jahre 1539 legte fest, dass nur zwischen dem Festtag des heiligen Michael am 29. September und dem Ehrentag des heiligen Georg am 23. April gebraut werden durfte. Im Sommer war das Bierbrauen verboten, weil Brandgefahr durch das Sieden bestand. Deshalb musste für die heißen Tage ein Biervorrat angelegt werden. Um die Haltbarkeit zu erhöhen wurde das letzte Bier etwas stärker eingebraut: das Märzenbier, das den Sommer über verkauft werden sollte.

Ein Problem hatten die Brauer allerdings. Wie sollten sie das Bier kühlen ? Die Lösung fanden Sie im Bau von Bierkellern - abgeleitet von den Kellern der Privathaushalte, die damals zur Lagerung verderblicher Vorräte dienten. Die Kellerräume der Braustätten waren meist durch die Produktion belegt.

So entstanden spezielle Bierkeller, im allgemeinen direkt neben dem Brauhaus. Durch den hohen Grundwasserspiegel in München konnten diese Keller allerdings nicht tief genug angelegt werden. Im Winter sägten die Brauer deshalb zur Kühlung Eis in Stangen aus den umliegenden Weihern. Gegen die hartnäckige Sommersonne pflanzten Sie schattenspendende Bäume. Die Kastanie, der einheimische Baum mit den größten Blättern, entwickelte sich zum Dach für die unterirdischen Gewölbe und somit zum traditionellen Biergartenbaum.

Weil die Brauer ihr Bier direkt an die Bevölkerung verkaufen wollten, stellten sie unter die Kastanienbäume Tische und Bänke und boten ihr kühles Bier feil. Münchens Wirte liefen Sturm dagegen. Die Brauer, so ihr Argument, sollten die Wirte beliefern und nicht an jedermann ihr Bier verkaufen. Um einer Rebellion vorzugreifen, lenkte der Bayern-König Ludwig I. ein: Er genehmigte den Bierausschank über den Kellern, verfügte aber, dass die Brauer kein Essen verkaufen durften. Wer also seine Maß Bier im Schatten der Kastanienbäume genießen wollte, musste seine Brotzeit selbst mitbringen.

zurück

 

Kulinarisches Biergartenlexikon für Nordlichter

Speisen

Obatzda
Gemisch aus zerquetschtem Camembert und Frischkäse. Schmeckt viel besser als es aussieht. Ein Grundrezept finden Sie hier. Es gibt unzählige Abwandlungen und Geheimtips. Manche Biergärten sind berühmt für ihren Obatzdn.

Brezn
Brauchen wir wohl nicht erklären. Erwähnenswert ist aber, daß inzwischen viele Biergärten die Brezn im eigenen Ofen selbst backen - äußerst empfehlenswert!

Preßsack
Es gibt roten und weißen Preßsack. Oft wird Preßsack als Sülze beschrieben. Wer aber eine richtige Sülze kennt, weiß daß dazwischen Welten liegen.

Steckerlfisch
Der Steckerlfisch ist eine Renke (Forellenart), die auf eine Holzstange gespießt wird und über Holzkohle einem Prozeß ausgesetzt wird, den man als Mischung zwischen grillen und räuchern bezeichnen kann.

Getränke

Maß
Achtung Nordlichter: Es heißt die Maß und nicht das Maß. Also: Ich hätte gerne eine Maß! Nach den neuen Rechtschreibregeln müßte man das wohl demnächst "Mass" schreiben. Denn das a wird kurz gesprochen (nicht Maas). Ob die traditionsbewußten Bayern diese Änderung mitmachen ist wohl fraglich.

Helles
Das ist das normale Münchner Bier, welches in praktisch jedem Biergarten ausgeschenkt wird.

Radler
Halb Helles und halb weiße Zitronenlimo. Oft muß man sich die Zitronenlimo selbst einschenken.

Ruß (oder Rußn Maß)
Das ist Weißbier mit Zitronenlimo.

Spezi
Grauenhaftes Gemisch aus Cola und Fanta. Wespen lieben das!

zurück

 
Überwiegend aus dem Buch: "Oans nach'm andern",
W. Ludwig Verlag Pfaffenhofen, Autor: Josef Fendl

·"Es gibt koane schlechter'n Leut", hat die Pfarrerköchin g'sagt, "als wia d' Mannerleut und d' Weiberleut!"

·"Dös fünfte Gebot", hat der Bua zum Pfarrer g'sagt, "hoaßt: Du sollst nicht sexeln!"

·"Mir hat's einfach im Wirtshaus nimma g'falln", hat der Bauer g'sagt, wia s' 'n g'fragt hab'n, warum er g'heirat' hat. "Und jetza g'fallt 's ma wieda!"

·"Dös war zu deiner Zeit!" hat's Deandl g'sagt, wia d' Muatter behaupt' hat, dass d' Manner dumme Frauen eher heirat'n.

·"Is dir ebba dei' Freind untreu word'n?" hat d' Muatter s' Deandl g'fragt, wia s' recht g'woant hat. "Ja", hat's g'sagt, "alle drei!"

·"Dös waar doch ebbs für 'n Papa!" hat der Bua g'sagt, wia eahm d' Mama erklärt hat, dass Statist'n bloß umanandastenghan und nix zum Sag'n hab'n.

·"Ei'm Zug, in dem ma sitzt, lauft ma doch nimma nach!" hat der Bauer zur Bäuerin g'sagt, wia s' g'moant hat, dass er früher vui netter zu ihr gwen waar.

·"Dös wird aber a Umstellung werd'n für'n Bauern!", hat die rothaarete Dirn g'sagt, wia d' Bäuerin g'sagt hat, dass s' geh' ko, weil a Melkmaschin' af 'n Hof kommt.

·"Wenn's amol in Bart ei'schneibt (= wenn er grau wird), nachher is meist'ns aa in der Hos'n Winter!" hat der Doktor zum Bauern g'sagt.

·"Geh, wart halt no a weng, bis i mei Glump aa auspapierlt hab!" hat der Mo auf Weihnacht'n g'sagt, wia eahm sei Wei a Dankschön-Busserl geb'n wollt. "Nachher geht 's in oam Aufwasch'n!"

·Dös werd' halt die oanzige Möglichkeit sei'!" hat der Doktor g'moant, wia s' Wei g'sagt hat, dass ihr Mo allerweil im Schlaf red't.

·"Wia schön könnt i' 's hab'n, wenn du net g'storb'n waarst ...!" hat dössell Wei' g'jammert - am Grab von der erst'n Frau vo' ihr'm Mo.

·"Der Bua sieght ganz und gar mir gleich!" hat d' Bäuerin zum Bauern g'sagt.
"Dös macht nix", hat der g'moant, "Hauptsach, er is g'sund!"

·"I hab s' im Fasching kennag'lernt", hat dersell g'sagt, wia s' 'n g'fragt hab'n, warum er so a greislich's Wei' hat. "Und da hab i g'moant, sie waar maskiert!"

·"Dös geht leider net", hat er zu seiner dicken Frau g'sagt, wia s' g'moant hat, dass er sie aa amol filmen kannt, "i hab ja bloß a Schmalfilmkamera!"

·"Geh, schreck d' Oar (= Eier) ab!" hat der Mo zu sei'm Wei' g'sagt.
"Du braucherst bloß in Tieg'l (= Topf) einischaugh'n!"

·"Was heißt: Vater Staat?" wui d'Lehrerin von die Kinder wiss'n.
Da meld' si de kloane Steffi: "Wenn d' Mama redt, is der Vatta staad."

·"Du hast mi' do' bloß g'heiratet, weil i a bissl a Geld g'habt hab!" hat 's Wei eahm vorg'halt'n.
Er beruhigt's: "Naa, naa, i hätt' di' a g'nomma, wennst ganz vui Geld g'habt hättst."

·"Mausi, i bin ma sicher, in dera ganz'n Stadt gibt's bloß oa aonzige verheirate' Frau, die wo ihr'm Mo treu is" hat der Mo zu sei'm Wei g'sagt. Drauf sie: "So, und wia hoaßat nachher die?"

·"Seit der Bua auf der Welt is', macht mir der nia aa Freid!" hat der Vater über sei'm Buam g'schimpft. Drauf hat der Bua g'sagt: "Ja no, so lang i leb, des konn scho sein. Gell, aber vorher scho?"
zurück

 
Presse
Quelle : Gastronomie-Journal am 24.11.2002
zurück